"Behold“: Georg Friedrich Händels „Messias“ erklingt in Schlüsselfeld zum 40-jährigen Jubiläum des Chores der Pfarrkirche St. Johannes d.T.

Mit „Behold“ hat der Chor der Schlüsselfelder Pfarrkirche St. Johannes ein ehrgeiziges Konzertprojekt auf die Beine gestellt: Am Sonntag brachte er Georg Friedrich Händels berühmtes Oratorium „Messias“ auf die Bühne, flankiert von ausgewählten Werken Johann Sebastian Bachs. Bereits 2018 hatte der Chor den ersten Teil des Oratoriums aufgeführt, nun folgten in der gut besuchten Pfarrkirche die Teile zwei und drei – auch diesmal unter dem Dirigat des langjährigen Chorleiters Martin Popp.
Den Auftakt machte Bachs Kirchenkantate „Du wahrer Gott und Davids Sohn“, mit der sich der Komponist einst als Thomaskantor beworben und seine Konkurrenten erfolgreich ausgestochen hatte. Bald hatten sich Instrumentalisten und Chorsänger gefunden und liefen mit dem zweiten Teil des „Messias“ zur Hochform auf. Der Chor zeigte sich diszipliniert und sattelfest in allen Stimmgruppen – auch bei Händels Fugato-Passagen, in denen jede Stimme rhythmisch präzise und sauber intonierend einsetzte. Die artistischen Sprünge in „And with His stripes“ und die rasanten Koloraturen in „All we like sheep“ bewältigte der Chor geschmeidig.
Das überregional besetzte Projektorchester musizierte, dem Originalklang der Barockzeit nacheifernd, ausschließlich auf historischen Instrumenten – mit einem warmen, schlanken Klang, der den Chor an keiner Stelle zudeckte. Federnd und ausgelassen ging das Ensemble in „All we like sheep“ zu Werk, mit grimmiger Entschlossenheit im Tenor-Accompagnato „All they that see Him“. Auch die Gesangssolisten waren mit Bedacht gewählt: Den strahlend klaren Stimmen von Manuela Spitzkopf (Sopran) und Stefan Schneider (Tenor) stand die weichere, nachgiebigere von Susanne Zippe (Alt) zur Seite. Florian Schmitt-Bohn fungierte in den Stücken von Johann Sebastian Bach als prägnanter Bass. Für die Bass-Arien in Händels „Messias“ jedoch sprang Chorleiter Martin Popp in eine seltene Doppelrolle: Er wandte sich um und sang selbst. Mit dem Trompeter Tobias Jung fand er in der Arie zur letzten Posaune zu einem glanzvollen Duett zusammen.
In die zweite Konzerthälfte startete man mit der Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“, einer außergewöhnlich beschwingten Begräbnismusik. Bach hat das Stück zum Tode Johann Heinrich Ernestis komponiert, einst Rektor der Leipziger Thomasschule. Der Musik nach muss Ernesti ein sehr fröhlicher Mann gewesen sein.
Begeistert klatschte sich das Publikum als Zugabe noch einmal Händels berühmten „Halleluja“-Chor herbei. (K. Tschirwitz)
Ein besonderer Dank geht an die Firma Poraver für die großzügige finanzielle Unterstützung des Projektes.

