„Bei der Kleinstkinderbetreuung benötigen wir jetzt dringend den Ausbau der Qualität“

Zertifikatsübergabe: Diözesan-Caritasverband bot erstmals Weiterbildung zur Krippenpädagogin an
Nach dem quantitativen Ausbau der Krippenplätze muss jetzt dringend der qualitative Ausbau kommen, lautet eine zentrale Forderung des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg. Dazu ist er bereit, auch selbst seinen Beitrag zu leisten, und bot daher eine Weiterbildung zur Krippenpädagogin an. 17 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen erhielten am 28. November das Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme.
Seit 2008 hat die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren von 44.500 auf 110.000 zugenommen. Die Politik werde nicht müde, dies zu betonen; dabei werde jedoch vergessen, dass das Wohl des Kindes und seine persönliche Entwicklung im Mittelpunkt der Betreuung stehen müssten, kritisierte Ursula Kundmüller, Leiterin der Abteilung Kinder-, Jugend- und Familienhilfe beim Diözesan-Caritasverband. „Wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, dass wir mit dem Erreichen der Ausbauquote von 35 % dem volkswirtschaftlichen Ziel näher gekommen sind, Eltern wieder früher in Arbeitsprozesse einzugliedern“, sagte sie in ihrem Grußwort an die Absolventinnen der Weiterbildung.
Einer Kinderbetreuung unter dem Primat der Wirtschaft erklärte Kundmüller eine klare Absage: „Wir gestalten die Betreuung von Kleinstkindern nicht unter der Prämisse, deren späteres volkswirtschaftliches Potential möglichst effizient und maximal auszuschöpfen.“ Ziel katholischer Kindertagesstätten sei die individuelle Entwicklung des Kindes, die „Menschwerdung des Menschen“. „Wir sind feinfühlig und achtsam den Kindern gegenüber, und zwar um ihrer selbst willen.“
Kundmüller wies darauf hin, dass ein Drittel der Kleinstkinder, die eine Kindertagesstätte besuchen, dort täglich mehr als sieben Stunden verbringen. Daraus erwachse den Einrichtungen eine große Verantwortung.
„Krippe ist nicht Kindergarten im Kleinformat“, präzisierte Andrea Göller. Die Referentin für Kindertagesbetreuung hatte die Weiterbildung konzipiert. Die Eingewöhnung der Kleinstkinder dauere deutlich länger als bei den Kindergartenkindern; sie gelinge nicht ohne eine Bezugsbetreuerin. Der Aufenthalt in der Krippe dürfe für das Kind nicht zum „Bindungsstress“ werden. Daher benötigten Krippen gerade auch Vollzeitkräfte.
Merkmal einer guten Betreuung sei ein guter Anstellungsschlüssel. Fachleute bevorzugten ein Verhältnis von einem Betreuer zu drei Kindern. Gegenwärtig liege der Anstellungsschlüssel aber bei 1 zu 5,5. „Aber selbst diesen relativ schlechten Wert“, schränkte Göller ein, „erreichen wir nur, wenn keine der Mitarbeiterinnen krank, im Urlaub oder auf Fortbildung ist.“ Die Anhebung des Schlüssels bleibe eine dringende Forderung an die Politik.
Im Erzbistum Bamberg besuchen mehr als 2.300 Kinder unter 3 Jahren katholische Kindertagesstätten.
Die berufsbegleitende Weiterbildung zur Krippenpädagogin wurde erstmals angeboten. Sie besteht aus einer sieben Fortbildungstage umfassenden Grundqualifikation, zwei frei wählbaren Kursen aus dem Bereich Krippenpädagogik im Fortbildungsprogramm des Diözesan-Caritasverbandes, einer Hospitation, einem Praxisbericht als schriftlicher Abschlussarbeit und einem Kolloquium.
Die 17 Teilnehmerinnen kamen aus folgenden Einrichtungen:
- Hallstadt: Pfarrer-Rössert-Kindertagesstätte
- Herzogenaurach: Kindertagesstätte St. Magdalena
- Kronach: Kath. Kindergarten St. Bonifatius
- Langensendelbach: Kinderkrippe Hl. Familie
- Marktgraitz: Kath. Kindergarten St. Michael
- Marktleugast: Kindertagesstätte Arche Noah
- Marktzeuln: Kath. Kinderkrippe St. Michael
- Neustadt am Kulm: Haus der kleinen Füße. Evangelische Kiga und Krippe
- Nürnberg: Kath. Kindertagesstätte Allerheiligen
- Nürnberg: Kath. Kindertagesstätte St. Walburga (2 Teilnehmerinnen)
- Pressig: Kath. Kindergarten Pressig
- Röthenbach/Pegnitz: Kath. Kindergarten Edith Stein
- Schlüsselfeld: Familienstützpunkt St. Sebastian
- Schönbrunn: Kindergarten St. Franziskus
- Stadelhofen: Kindertagesstätte Juraparadies
- Waischenfeld: Kath. Kindertagesstätte St. Elisabeth
