Bücherei findet ihren Platz im „Armenhaus“

Einweihung Domkapitular Otto Münkemer segnete die neuen Räume der öffentlichen katholischen Bücherei in Schlüsselfeld. Mit Hilfe der Städtebauförderung wurde das ehemalige Domizil der Armen saniert und erstrahlt nun im neuen Glanz.

„Am Anfang wurden wir für verrückt erklärt. Jetzt aber haben alle von Anfang an gewusst, dass hier eine tolle Sache entsteht!“ Bei der Einweihungsfeier der öffentlichen katholischen Bücherei im Schlüsselfelder „Armenhaus“ konnte sich Bürgermeister Georg Zipfel im allgemeinen Lob geradezu sonnen.
Dabei wären anfangs wohl wenige bereit gewesen, auch nur einen roten Heller für das desolate Baudenkmal an der Pfarrer-Weißenberger-Straße auszugeben. Jetzt erstrahlt das kleine Haus hinter der Kirche nicht nur in neuer, sondern auch alter Schönheit. Nach vierjähriger Sanierung wurde es auch einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Mit der Segnung durch Domkapitular Otto Münkemer wurde in dem historischen Gebäude die katholische Bücherei offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Eine Baumaßnahme, die nach den Worten des Bürgermeisters den Beteiligten und Anliegern Nerven, Improvisationstalent, Toleranz und Durchhaltevermögen abverlangte.
„Sozialdenkmal“
„Dreißig Jahre hat das Gebäude vor sich hin geträumt und wurde mit der Zeit zu einer Ruine“, berichtete Zipfel über die Geschichte des Hauses. Es sei das älteste in seiner ursprünglichen Gestalt erhaltene Wohngebäude der Stadt und wie die angrenzende ehemalige Viehwaage ein Sozialdenkmal. Vermutlich zwischen 1799 und 1850 wurde es als Hirten- oder Schäferhaus erbaut. Ab wann es zur Unterbringung der Armen und Bedürftigen gedient hat, sei nicht belegt. Sicher ist laut Zipfel, dass in dem kleinen Haus noch in den 50er und 60er Jahren vier Familien mit ihren Kindern gewohnt haben. Wohnverhältnisse, wie sie heute nicht mehr vorstellbar sind. Nach dem Auszug bzw. dem Tod der letzten Bewohner verkaufte die Stadt das Haus für den symbolischen Preis von einer Mark an die Pfarrei Schlüsselfeld. Damals sollte es – so war es Wunsch der Stadt – abgebrochen werden. Konrad Seeberger, der einstige Pfarrer von Schlüsselfeld, habe jedoch „einen eigenen Kopf gehabt“ und dem Armenhaus ein neues Dach spendiert. Dann allerdings schlummerte das Armenhaus weiter – bis mit Beginn der Altstadtsanierung über das Gebäude neu nachgedacht werden musste. Einer der Pläne war, darin eine „Kinderkirche“ einzurichten. Sicher eine sinnvolle Ergänzung, wäre das ehemalige Krug-Haus zu einem Pfarrzentrum umgebaut worden. Doch das Krug-Haus wurde abgebrochen und an seiner Stelle ein neues Pfarrzentrum errichtet. Die Bücherei, bis dahin im alten Pfarrzentrum an der Industriestraße, konnte dort nicht mehr bleiben und suchte nach einem neuen Domizil.
Symbolischer Kaufpreis: ein Euro
Der Stadt kam zugute, dass im Rahmen der Städtebauförderung nicht nur Straßen und Plätze, sondern auch der Umbau und die Sanierung des historischen Gebäudes gefördert wurden. Zunächst einmal wurde es zum Preis von einem Euro von der Kirche zurück gekauft. Dann wurde es mit Gesamtkosten von 260 000 Euro umgebaut und saniert. Bei der Stadt blieben 105 000 Euro, ein Betrag, der laut Zipfel durchaus zu verantworten ist. „Ein Neubau hätte nie den Charme und das Flair ausgestrahlt, den das historische Armenhaus hat“, findet das Stadtoberhaupt.
Zipfel blieb am Ende der Einweihungsfeier nur noch, Dank zu sagen: Den Stadträten, „die ohne Murren den Stadtsäckel aufgebunden haben“, dem mit historischer Bausubstanz erfahrenen Bamberger Architekten Willi Lein, wie auch allen Handwerkern am Bau.
In der Bücherei stehen 8000 Medien zur Verfügung. Sie wird von einem ehrenamtlichen Team betreut. Geöffnet ist jeweils am Dienstag von 17.30 Uhr bis 19 Uhr, Donnerstag von 16 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 11.30 Uhr.


