Sternsinger 2018

an Pfarrer Joseph Kollathuparampil
Fast alle Staaten der Erde möchten rechtlich betrachtet die Kinder vor Ausbeutung schützen. Die Realität schaut anders aus. Weltweit müssen 168 Millionen Kinder und Jugendliche arbeiten. Die Aktion Dreikönigssingen 2018 greift das Thema Kinderarbeit auf.
Warum wurde Dein Heimatland Indien als Beispiel-Land ausgewählt?
Indien ist das siebtgrößte Land der Welt mit sehr vielen armen Menschen und vielen Kindern, die arbeiten müssen, damit die Familien überleben können.
Welche Ursachen führen dazu, dass Kinder dort arbeiten müssen?
Die Schere zwischen arm und reich ist sehr groß bei uns. Über 60 % der Bevölkerung ist sehr arm. Durch große Arbeitslosigkeit der Eltern können diese vielen Familien nicht ernährt werden, deswegen muss die ganze Familie arbeiten, um nicht zu verhungern.
Einmal arm immer arm? Welche Rolle spielt das Kastensystem?
Im Hinduismus ist das Kastensystem so strukturiert, dass man innerhalb der Kasten nur heiraten darf. Das bedeutet tatsächlich, wenn man in der untersten Kaste arm geboren wurde, dass man so sein Leben lang bleibt. Denn es gibt wenige Möglichkeiten eine Schule dann zu besuchen oder eine Ausbildung zu bekommen. Bei uns Thomas-Christen im Süden Indiens gibt es kein Kastensystem- Denken, denn alle Menschen sind gleich geliebte Kinder Gottes.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hält Kinderprostitution, Kinderhandel, Sklaverei und Drogenhandel für die schwersten Formen ausbeuterischer Kinderarbeit. In welcher Region in Indien ist die Situation am dramatischsten? Im dichtbesiedelten Norden Indiens und in den großen Städten. Bei uns im Süden gibt es auch Armut, aber nicht so extrem wie im Norden.
Warum werden gerade die Mädchen besonders benachteiligt?
Obwohl unsere Regierung schon einige Gesetzte zur Gleichberechtigung erlassen hat, ist dies in den Köpfen der Menschen in Nordindien noch nicht angekommen. In Indien ist unsere Struktur so, dass Mädchen für Familien eigentlich eher eine finanzielle Belastung sind, weil sie viel Geld kosten, um verheiratet werden zu können, daher müssen sie schon so früh wie möglich mitarbeiten und so manches erleiden im Gegensatz zu den Jungen.
Was tut die katholische Kirche in Indien, um den Kindern und Jugendlichen aus ihrer Misere herauszuhelfen?
Es gibt in ganz Indien viele christliche Hilfsorganisationen und vor allem bei uns im Süden unterstützt die Katholische Kirche die Bildung und ein Gesundheitssystem. Fast zwei Drittel aller Schulen, Universitäten, Kinder-, Behinderten und Altenheime, sowie Krankenhäuser werden von der Kirche geleitet und finanziert. Abertausende Priester und Nonnen arbeiten und helfen die Not in vielen indischen Brennpunkten zu lindern, soweit finanziell möglich.
Welche Erwartungen hast Du hinsichtlich der Aktion Dreikönigssingen 2018 für den Seelsorgebereich?
Es wäre großartig, wenn wir in "Maria im Dreifrankenland" viele Spenden sammeln könnten, um den Ärmsten der Armen und Kranken in Indien ein klein wenig zu helfen und so dazu beitragen, dass es den Menschen und vor allem den Kindern dort besser geht. Denn ohne einen Schulbesuch und ohne eine Ausbildung haben diese keine Zukunftsperspektiven.
Wir leben in so einem reich gesegneten und friedlichen Land hier in Deutschland und so ist es mir eine große Freude, wenn wir ein wenig davon mit den Ärmsten der Armen teilen.
Vergelt´s Gott allen Sternsingern für ihren großen Einsatz und Ihnen für jeden Euro und jedes Gebet, das zum Segen für Indien wird. Gerne kann ich auch für unsere Armen speziell in meinem Bundesland Kerala Spenden entgegen nehmen und dafür dann auch Ihnen persönlich eine Spendenquittung ausstellen.
In großer Dankbarkeit und Verbundenheit wünsche ich Ihnen allen und der Sternsinger-Aktion 2018 den Segen und die Begleitung des ALLERHÖCHSTEN!
Pfarrer Joseph, vielen Dank für das Gespräch! (Die Fragen stellte Diakon Hans Scherbaum)