„Rambach hat eine Kapelle, sie soll ein Seybold erbaut haben“, schreibt das Schlüsselfelder Saalbuch 1592. Demnach dürfte die Entstehungszeit zwischen 1400 – 1480 liegen. Seit etwa 1700 berichteten die Pfarrer und der Amtskeller von Schlüsselfeld und verschiedene Gutachter immer wieder vom ruinösen und baufälligen Zustand der Rambacher Kirche, die teils aus Stein, teils aus Holz (Fachwerk) erbaut war. 1856 wurde dann schließlich ein Neubau beschlossen, der aber nicht ausgeführt wurde. 1865 stellte schließlich das Pfarramt den Antrag an das Bezirksamt, wegen Einsturzgefahr „entweder die Abtragung oder die Restaurierung zu verfügen“. Mit Ausnahme einiger Teile an der Südseite und der Giebelseite wurde 1866 die Kapelle neu aufgebaut, nach Osten verlängert und nach Norden erweitert. Am 14. Januar 1867 erfolgte die Weihe durch Pfarrer Jungkunz. Der Hochaltar wurde 1938 vom Bildhauer Gerngras aus Würzburg gefertigt. Dabei wurden einige Teile des alten Altares verwendet.
Quelle: Festschrift „600 Jahre Pfarrei Schlüsselfeld 1376 – 1976“ von Geistlichen Rat Konrad Seeberger +
Der Heilige Sebastian ist der Kirchenpatron von Rambach. Sein Gedenktag am 20. Januar wird deshalb festlich begangen.
Das Altarbild mit der Darstellung des hl. Sebastian aus der ursprünglichen Kapelle schickte 1866 Pfarrer Jungkunz zur Restaurierung nach Bamberg. Dort kam aber nur der Rahmen an; es wurde angeblich vom Wind zerstört! Das heutige und 1938 wieder verwendete Altarbild stammt aus Binswangen.
Sebastian (griech. / latein.: = der Verehrung Würdige) war nach dem Zeugnis des hl. Ambrosius ein Mailänder, möglicherweise aber auch in Narbonne geboren. Er gehörte der Prätorianergarde als Hauptmann am kaiserlichen Hof Diokletians an, der dort ungeachtet des Verbotes seinen christlichen Glauben weiter bekannte und viele zum Christentum bekehrte. Seine Stellung erlaubte ihm, seinen christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beizustehen, ihnen Mut zuzusprechen und immer weitere Römer zu bekehren.
Wahrscheinlich im Jahr 288 ließ der Legende nach der römische Kaiser Diokletian, als er von Sebastians Glauben erfuhr, ihn an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen. Er wurde jedoch von den Pfeilen nicht getötet. Die Witwe des Märtyrers Kastulus namens Irene nahm sich seiner an und pflegte seine Wunden. Als er sich wieder erholt hatte, trat er dem erstaunten Kaiser öffentlich entgegen, um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian ließ ihn daraufhin im Circus von Rom zu Tode peitschen und die Leiche in die "cloaca maxima", die große Kloake, werfen. Sebastian erschien dann der Christin Lucina im Traum und wies ihr den Ort; sie holte den Leichnam heraus und bestattete ihn an der Apostelkirche an der Via Appia, unter der heutigen Kirche San Sebastiano ad Catacumbas. Diese gehörte zu den sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms. Die Verehrung des Hl. Sebastian in Rom ist schon im 4. Jahrhundert nachgewiesen. Im Jahr 680 soll in Rom eine Pestepidemie erloschen sein, nachdem man seine Reliquien durch die Straßen trug. Außerdem ist bekannt, daß man in Pestzeiten zum Schutz gegen die Seuche sog. "Sebastianspfeile" trug. Das erste Martyrium des Heiligen wurde zum beliebten Thema in der Kunst der Renaissance; der unbekleidet am Baum stehende Märtyrer beliebtes Thema der Aktmalerei.
Der hl. Sebastian ist der Patron der Brunnen, der Sterbenden, Schützengilden, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisengießer, Zinngießer, Steinmetze, Gärtner, Gerber, Töpfer, Bürstenbinder und Leichenträger; gegen Pest und Seuchen. Pestplagen sind auch der Grund für die bis heute starke Verehrung Sebastians in unserer Gegend.
Der mündlichen Überlieferung zufolge haben in Rambach drei Männer als einzige Überlebende einer Pestepedemie während des 30jährigen Krieges an der heute noch bestehenden Wegkapelle an der Abzweigung der Hirtengasse das Gelübde abgelegt, bei Abwendung der Seuche eine Sebastianskirche zu bauen und am Sebastianstag („Bastelsdooch“) zu Ehren des Heiligen einen Fast- und Abstinenztag zu halten. Das heißt, daß an diesem Tag auf Fleischspeisen verzichtet wird und jeder sich mit einer einmaligen Sättigung begnügt. Aus diesem Anlaß gibt es in einigen Familien die sog. „Bastelssuppe“ – eine Brotsuppe ohne Fleischzusatz; das mehr oder weniger geheime Rezept wird jeweils von einer Generation an die andere weitergegeben.
Dieser Tag war ursprünglich kein Feiertag im eigentlich Sinn, sondern wurde bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts nur als Fast- und Abstinenztag begangen, an dem am Vormittag ein sog. Hochamt und am Nachmittag eine Andacht gefeiert wurde. In der Amtszeit von Bürgermeister Fritz Ott wurde jedoch, dem Beispiel von Geiselwind und Reichmannsdorf folgend, dieser Tag ein arbeitsfreier Feiertag, der von vielen Rambachern bis heute so in Ehren gehalten wird. Auch die Rambacher Ministranten, die die Schlüsselfelder Volksschule besuchen, haben an diesem Tag schulfrei.
So wird bis heute der Sebastianstag mit einem Festgottesdienst usw. begangen. Am Sonntag danach wird dann Kirchweih gefeiert, die neben den kirchlichen Feierlichkeiten hauptsächlich in den Privathäusern bzw. mangels eines eigenen Gasthauses jährlich wechselnd in zwei Schlüsselfelder Wirtschaften abgehalten wird.
Beide Festtage, „Bastelsdooch“ und Kirchweih, sind auch heute noch für viele ein willkommener Anlaß, die Rambacher Kirche und / oder Angehörige zu besuchen.
Quelle: Heimatbote u. gp